Hallo? Is that thing on? Wieso so viele Ideen bei mir ins Leere laufen...

Hallo? Is that thing on? Wieso so viele Ideen bei mir ins Leere laufen...

Der Blog steht still. Schon wieder.

Eine Idee schlägt ein, die Begeisterung brennt lichterloh, und in meinem Kopf steht innert Minuten das fertige Konzept. Ich registriere die Domain, richte das Design ein, tippe die ersten Zeilen voller Tatendrang. Und dann? Wird es still.

In meinen To-do- und Notiz-Apps sammeln sich angefangene Gedanken, halbe Konzepte und verwaiste Entwürfe. Ein digitaler Friedhof, den ich selbst angelegt habe. Eintrag für Eintrag.

Lange dachte ich, mir fehle einfach die Disziplin. Ich nahm mir vor, mich endlich zusammenzureissen, mich nicht so anzustellen und meine Routinen besser zu optimieren. Am Anfang fiel es mir ja nie schwer: Wenn mich ein Thema packt, versinke ich stundenlang darin. Ich vergesse zu essen, verliere jedes Zeitgefühl und lerne in Tagen mehr über ein neues System als sonst in Wochen. Ein Rausch aus Fokus und Neugier.

Doch irgendwann ist die erste Hürde genommen. Der Alltag kehrt zurück, die Abläufe werden vertraut, eine unerwartete Knacknuss taucht auf. Und plötzlich ist sie weg, die Faszination. Die nächste Zeile fühlt sich auf einmal an wie eine Wand. Was bleibt, sind Frust, Scham und dieser nagende Gedanke: "Schon wieder habe ich etwas nicht zu Ende gebracht."

Die Pause auf diesem Blog hatte aber nicht nur mit nachlassender Begeisterung zu tun. Mir fehlte schlicht die Kraft, überhaupt noch einen Anfang zu finden.

Mein ganzes Leben lang habe ich enorm viel Energie darauf verwendet, mich anzupassen. An Systeme und Erwartungen, die nicht zu meiner Denkweise passten. Das begann in der Primarschule, zog sich durch die Oberstufe und begleitete mich durch meine Ausbildungen. Was für andere selbstverständlich schien, kostete mich Tag für Tag Kraft, die man von aussen nicht sah.

Im Beruf fand ich lange Zeit einen guten Platz, weil mir das Praktische lag. Technische Probleme auseinanderzunehmen, Störungen auf den Grund zu gehen und Anwendenden ganz konkret zu helfen, genau das entsprach meinen Stärken.

Der Preis dafür war hoch. Jahrelang überspielte ich die ständige Reizüberflutung und die schleichende Erschöpfung, nur um zu funktionieren wie alle anderen. Dazu kommt, dass ich seit unbestimmter Zeit mit rezidivierenden Depressionen kämpfe, Phasen, die sich wie dichter, bleierner Nebel über alles legen und einem selbst das letzte bisschen Antrieb und Zuversicht rauben. Vor rund einem Jahr ging es nicht mehr. Nach der Kündigung aus meiner langjährigen Anstellung (die mir ja eigentlich Freude machte) brach mein ganzes System zusammen. Körperlich wie mental.

Der Wendepunkt kam, als ich mir eingestand, dass ich professionelle Hilfe brauchte. Über meine Hausärztin fand ich den Weg in eine Tagesklinik und absolvierte dort eine sechsmonatige teilstationäre Therapie.

Diese Zeit gab meinem Alltag wieder ein verlässliches Geländer. Es gab Menschen, die mir zuhörten und vor denen ich mich zum ersten Mal nicht verstecken musste. Ich durfte dort einfach so sein, wie ich bin. Auch die Begegnungen mit anderen, die mit ganz ähnlichen Dingen kämpften, taten unglaublich gut.

In den Monaten vor der Klinik hatte ich kaum noch einen geregelten Alltag. Leben konnte man das nur mit Mühe nennen. Oft waren es gar nicht die grossen Lebensfragen, die mich erdrückten, sondern die scheinbar alltäglichsten Kleinigkeiten: die persönliche Administration, das pünktliche Bezahlen von Rechnungen oder ein simpler Anruf, um einen Termin zu vereinbaren. Solche Aufgaben wurden zu unüberwindbaren Bergen. Sie bauten einen immensen inneren Druck auf, lösten ständige Sorgen aus und liessen mich beschämt zurück – weil ich nicht begriff, warum mir Dinge so unendlich schwerfallen, die für andere blosse Handgriffe nebenbei sind.

Ich hatte schon länger geahnt, dass ADHS und vielleicht auch Autismus auf mich zutreffen könnten. Eine Abklärung schob ich trotzdem vor mir her – selbst dafür fehlte mir die Kraft.

Die Therapie gab mir Halt und brachte endlich Klarheit: Die Diagnose Autismus-Spektrum und ADHS war eine enorme Erleichterung.

Plötzlich ergab so vieles einen Sinn: die ständige Reizüberflutung, die Mühe mit monotonen Abläufen, die Blockaden bei administrativen Routinen, aber auch die Phasen intensiven Hyperfokus und mein tiefes Interesse an logischen Systemen. Ich war weder faul noch einfach inkonsequent. Mein Nervensystem verarbeitet Reize und Anforderungen schlicht anders. Damit verloren die jahrelangen Selbstvorwürfe ihren Boden.

Nach der Therapie durfte ich in den letzten Monaten wieder im Arbeitsalltag Fuss fassen. Ein IT-Einsatz in einem ruhigen Team, ohne Leistungsdruck, zeigte mir etwas, das ich beinahe aus den Augen verloren hatte: Mein Fachwissen war noch da. Ich konnte im Support arbeiten, und mein Interesse an Technologie war nicht verschwunden.

Ich bin heute 38 Jahre alt. Mein Alltag hat wieder ein Fundament, und die Energie kommt langsam zurück. Ob ich künftig nie mehr ein Projekt abbreche? Das glaube ich kaum. Aber ich erwarte auch keine Perfektion mehr von mir.

Ich reaktiviere "afisch.blog" nicht für poliertes Selbstmarketing. Ich möchte hier festhalten, was mich beschäftigt, begeistert und mir im Alltag hilft – und wovon vielleicht auch andere profitieren können. Besonders interessiert mich die Schnittmenge von Technologie, Neurodivergenz und dem Mensch.

Der Druck ist weg. Die Freude am Ausprobieren und Teilen ist wieder da. Schön, wenn du dies gelesen hast..

Im Moment reicht es, dass hier wieder ein erster Absatz steht. Der Cursor blinkt.

Mehr muss heute nicht fertig werden.