OpenClip: Text markieren, Dinge erledigen
Seit einigen Wochen nutze ich auf meinem MacBook eine kleine App, die sich im Alltag als erstaunlich praktisch erweist. Sie heisst OpenClip und zeigt bei markiertem Text eine schwebende Leiste mit Aktionen. Für kurze Textarbeiten brauche ich seither kein Fenster mehr zu wechseln.
OpenClip ist eine native Floating Action Bar für macOS 14 (Sonoma) und neuer. Der Entwickler Ganesh M positioniert sie als freie Alternative zu PopClip, einem bekannten kostenpflichtigen Werkzeug aus demselben Bereich.
Was die App kann
Die Webseite kennt drei Bereiche. Erstens KI-gestützte Textarbeit: Grammatik korrigieren, zusammenfassen oder übersetzen, wobei das Ergebnis in einer kleinen Karte direkt neben dem Text erscheint. Zweitens einen Rechner, der markierte Ausdrücke auswertet. Drittens eine Befehlspalette, die sich mit ⌥⌘C von überall aufrufen lässt.
Das Herzstück ist die Erweiterbarkeit. Eigene Aktionen lassen sich in JavaScript, AppleScript oder als Shell-Skript schreiben, und im Clip Store finden sich über 100 offizielle Erweiterungen. Für Techniknerds wie mich ist das spannend, Nicht-Entwickler finden dort aber schon viel brauchbares.
Mein Alltag mit OpenClip
Ich verwende vor allem vier Funktionen, und zwar täglich:
- Übersetzer: Ein englischer Text oder eine Mail in einer fremden Sprache markieren, übersetzen lassen, fertig. Natürlich auch geht auch in die andere Richtung super. Für schnelle Übersetzungen ist das deutlich bequemer als ein Browser-Tab zu Google oder Deepl.
- Textoptimierer: Ein vielleicht noch holpriger Satz wird auf Knopfdruck klarer formuliert. Das Ergebnis ist ein Vorschlag, den ich selbst prüfe.
- Zusammenfasser: Lange Artikel oder Mail-Threads lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen, bevor ich entscheide, ob ich sie ganz lese.
- Rechtschreibekorrektur: Kurz vor dem Versenden einer Nachricht markieren, prüfen, fertig. Das ersetzt meine eigene Kontrolle nicht, fängt aber die gröbsten Fehler ab.
Daneben gibt es Helfer, die ich zwar seltener brauche, aber schätze. Der Rechner erledigt kurze Berechnungen direkt, ohne Taschenrechner. Umrechnungen laufen genauso schnell. Und bei Links entfernt eine Erweiterung Tracking-Parameter wie utm_source oder fbclid, bevor ich einen Link weitergebe. Das ist eine kleine Sache, aber sie passiert ohne Aufwand.
Der grosse Vorteil: Alles passiert an Ort und Stelle. Ich bleibe in der App, in der ich gerade arbeite, und die Aktion ist nach wenigen Sekunden erledigt.
KI ohne neues Abo
Für die KI-Funktionen muss kein neues, teures Abo abgeschlossen werden. In den Einstellungen wählt man einen Anbieter aus und hinterlegt den passenden API-Schlüssel. Zur Auswahl stehen die API-Schnittstellen von OpenAI, Anthropic, Google und OpenRouter, dazu weitere Anbieter wie DeepSeek und Groq sowie ein eigener, mit OpenAI kompatibler Endpunkt. Das Modell lässt sich ebenfalls frei wählen.
Für solche einfachen Aufgaben wie Korrigieren, Übersetzen oder Zusammenfassen reicht oft eines der günstigen Modelle völlig aus. Über OpenRouter erhält man mit einem einzigen Schlüssel Zugang zu zahlreichen Modellen, darunter viele sehr preisgünstige.

Open Source und Lizenz
OpenClip ist komplett quelloffen unter der Lizenz AGPL-3.0. Der Quellcode liegt auf GitHub, und wer will, kann ihn prüfen, anpassen oder eigene Erweiterungen beisteuern. Die App ist laut Webseite kostenlos und enthält keine Tracker. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann über eine Spendenseite beisteuern.
Installieren lässt sie sich als DMG von der Webseite oder per Homebrew mit brew install openclip.
Fazit
Für Mac-Nutzer, die PopClip-artige Aktionen wollen, aber kein Geld ausgeben möchten, ist OpenClip eine klare Empfehlung. Im Alltag hat sie sich bei mir als echte Zeitersparnis erwiesen, gerade bei Übersetzung und Korrektur. Offen bleibt für mich, welche KI-Anbieter und Modelle konkret unterstützt werden. Dazu verweist die Webseite auf eine FAQ, die ich noch nicht vollständig geprüft habe [prüfen].
Wer selbst reinschauen möchte, findet alles auf getopenclip.app. Der Quellcode liegt auf GitHub.